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6 Erfolgstipps für Start-ups vom Entwickler der angesagten HoloBuilder-App fürs Bauwesen

HoloBuilder

Jeder Softwareentwickler träumt davon, dass das eigene Produkt nach monate- oder gar jahrelanger Arbeit auf den Markt kommt und sich zu einem unverzichtbaren Tool entwickelt.

Doch dieser Traum wird nur für wenige Entwickler wahr und nur einem Bruchteil von ihnen ist der Erfolg vergönnt, den HoloBuilder mit seiner innovativen Software erzielen konnte. Erst vor wenigen Jahren brachten der Informatikdozent Mostafa Akbari und sein Mitbegründer Simon Heinen die Online-Plattform, die für die Einbindung von 360-Grad-Aufnahmen und Markups ausgelegt ist, auf den Markt – zu einer Zeit, als es erst eine andere Software mit ähnlichem Funktionsumfang gab.

Akbari, der damals in Deutschland lebte und an der RWTH Aachen lehrte, konnte schon früh erste Erfolge mit seiner Plattform verbuchen, die von immer mehr Entwicklern aus der Bildung, dem Tourismus und sogar dem Fahrzeugvertrieb genutzt wurde. Trotzdem entschloss er sich dazu, die Software kostenlos zur Verfügung zu stellen, um sich ein Bild davon zu verschaffen, wie sie verwendet wird.

2015 gewann Akbari den vom japanischen Kamerahersteller Ricoh ausgerichteten Ricoh Theta Developers Contest und konnte so Kontakte in einer Branche knüpfen, für die die 360-Grad-Realitätserfassung wie gemacht ist: dem Baugewerbe.

Mit HoloBuilder kann man, ähnlich wie mit Google Street View, einen virtuellen Rundgang über die Baustelle machen und dabei viel Zeit sparen. Mit freundlicher Genehmigung von HoloBuilder.

Mithilfe von HoloBuilder können Ingenieure, Bauunternehmer und Planer multiperspektivische Aufnahmen von einem Projekt oder einer Baustelle machen und in der App hochladen. Dort können andere Personen neue Entwicklungen oder Änderungen dokumentieren und allen Beteiligten zur Verfügung stellen. „Früher haben wir Bilder aufgenommen – heute erfassen wir Fortschritte“, so Ashley Dawson, BIM-Koordinator für Großprojekte bei Kier Construction.

HoloBuilder ist derzeit bei mehr als 1.000 Bauunternehmen und über 12.000 Projekten im Einsatz. Aufgrund des großen Erfolgs in sehr kurzer Zeit wissen die Mitarbeiter bei HoloBuilder ganz genau, wie man schnell und effizient ein bei Unternehmen begehrtes Produkt entwickelt. Mit den folgenden Tipps geben sie das Wissen weiter, das ihnen beim Aufbau ihres Unternehmens geholfen hat – in der Hoffnung, dass andere von ihnen lernen und das eigene Wachstum ankurbeln können.

1. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Produkt einfach zu bedienen ist – und ebenso einfach zu optimieren

Laut Christian Claus, Vice President of Product Management bei HoloBuilder, ist die Plattform vor allem deshalb so schnell gewachsen, weil sie leicht zu bedienen ist.
„Man muss nicht erst geschult werden“, so Claus. „Wenn man eine 360-Grad-Kamera hat und die App herunterlädt, kann man sofort loslegen.“

HoloBuilder JobWalk app
Die JobWalk-App von HoloBuilder in Kombination mit einer 360-Grad-Kamera ermöglicht es dem Nutzer, eine Baustelle direkt bei der Begehung zu erfassen. Mit freundlicher Genehmigung von HoloBuilder.

HoloBuilder ist außerdem offen für jegliche Verbesserungsvorschläge und Weiterentwicklungen durch die Nutzer, wenn diese ein Problem feststellen. In früheren Versionen der Software mussten Bilder zum Beispiel manuell eingestellt werden, was die Zusammenarbeit der Teams bremste. Daraufhin programmierte HoloBuilder eine App für das Smartphone, JobWalk, die das Aufnehmen und Hochladen von Bildern soweit beschleunigte, dass Projekte in Echtzeit dokumentiert werden können.

Mit dem Mitte 2018 veröffentlichten Enterprise Dashboard reagierte HoloBuilder zudem auf den Bedarf von Kunden, die die Plattform marken- oder gar unternehmensübergreifend nutzen müssen. Diese Innovation war, wie Claus anmerkt, der notwendige nächste Schritt, um die Verkaufszahlen weiter zu steigern.

2. Erschließen Sie sich neue Geschäftsfelder und testen Sie neue Funktionen

Obwohl Akbari und Heinen ursprünglich mit deutschen Unternehmen aus der Fertigungs- und Automobilbranche zusammenarbeiteten, war HoloBuilder von Anfang an für unterschiedliche Zwecke und Branchen ausgelegt.
Nach dem Sieg beim Ricoh Contest im Jahr 2015 und dem Aufbau eines Kunden- und Investorenstamms in der Baubranche gab es bereits einige Nutzer, die HoloBuilder für sich entdeckt hatten und die Plattform unbedingt finanziell unterstützen wollten. Damit wollten sie die Entwicklung einer Software vorantreiben, die auf ihre spezifischen Bedürfnisse zugeschnitten ist. Für HoloBuilder bedeutete diese neue Richtung neues Wachstumspotenzial, erforderte aber auch mehr kundenspezifische Anpassung.

„Die Software kollaborativ zu gestalten, war eine der größten Neuerungen“, erklärt Claus. „Anstatt dass nur eine Person die Baustelle vor Ort visuell erfassen kann, haben wir die Plattform für die Arbeit im Team weiterentwickelt. So können alle Teammitglieder zu dem Projekt eingeladen werden, von denen jeder einzelne Bilder machen und hochladen kann. Im Anschluss wird dann alles nahtlos miteinander verknüpft.“

3. Greifen Sie auf alle verfügbaren Ressourcen zurück, um sich zu vergrößern, auch auf den Nachwuchs

Akbari und Heinen haben HoloBuilder mit der Unterstützung ihrer besten Studierenden in Deutschland aufgebaut. Auch nach Verlegung des Unternehmenssitzes in die Nähe von San Francisco im Jahr 2015 setzt HoloBuilder noch immer auf den Ideenreichtum und den Erfindergeist der Studierenden – und das über Kontinente hinweg.

HoloBuilder on-site collaboration
Mit der preisgekrönten JobWalk-App und HoloBuilder-Plattform wird Realitätserfassung zur Gemeinschaftsaufgabe, zu der jedes Teammitglied einen Beitrag leisten kann. Mit freundlicher Genehmigung von HoloBuilder.

„Viele der Studierenden, die bei HoloBuilder arbeiten, schreiben ihre Abschlussarbeit über HoloBuilder“, erläutert Claus. „Hier im Silicon Valley haben wir einige Praktikantinnen und Praktikanten, die über den Sommer bei uns aushelfen. Die meisten von ihnen studieren Baumanagement und sie unterstützen uns, indem sie die Baustellen besuchen und in enger Zusammenarbeit mit dem Produktteam Feldtests bei unseren Kunden durchführen. In unserem F&E-Labor in Deutschland sind es hingegen überwiegend Informatikstudierende von der nahegelegenen Hochschule, die uns bei der Entwicklung fortschrittlicher Technologien helfen.“

Regelmäßige Besprechungen mit den Kunden und das gemeinsame Testen neuer Betafunktionen sind Teil der Unternehmensphilosophie von HoloBuilder. Durch diesen persönlichen Kontakt kann HoloBuilder nicht nur sicherstellen, dass die Kunden zufrieden sind, sondern kann sich auch unmittelbares und aussagekräftiges Feedback einholen, das direkt an das Produktteam weitergegeben wird.

4. Streben Sie strategische Partnerschaften (bzw. in diesem Fall Integrationen) an

HoloBuilder konzentrierte sich anfänglich auf Baufirmen mit ganz spezifischen Anwendungsfällen. Indem das Unternehmen versuchte, die Anforderungen genau dieser Kunden zu erfüllen, entwickelte sich das Produkt hingegen organisch weiter und wurde so für eine größere Nutzergruppe interessant.

Die Vertriebsabteilung bei HoloBuilder fasste zunächst nur ganz bestimmte Bauvorhaben ins Auge, die Teil viel größerer Unternehmensstrukturen waren. Nach ein paar Monaten, in denen die Arbeit auf diesen kleinen Kreis beschränkt war, weiteten Claus zufolge viele Unternehmen den Einsatz von HoloBuilder aus und nutzten die Technologie auch bei anderen Projekten innerhalb ihrer Organisation.

Im Zuge dieser Expansion forderten immer mehr Unternehmen die Integration von HoloBuilder in andere von ihnen verwendete Software. Diese Anfragen waren für HoloBuilder ausschlaggebend dafür, Add-ins für Autodesk Revit und Navisworks zu entwickeln sowie über die Partnerintegrationsplattform eine API-Integration mit BIM 360 einzurichten.

Diese Produktintegrationen wiederum steigerten den Bekanntheitsgrad von HoloBuilder und machten die Software für unterschiedliche Personengruppen zugänglicher.

„Damit haben wir unsere Reichweite erhöht“, merkt Claus an. „Die meisten unserer Kunden haben unsere Software zuerst bei ihren Bauprojekten eingesetzt. Mittlerweile ist sie im Lieferumfang gängiger Programme enthalten, die Konstrukteure und Ingenieure bei ihrer Arbeit unterstützen – und ist dadurch noch vielseitiger geworden. Hinzu kommt, dass wir Freunde und Partner aus den Bereichen Architektur, Ingenieurwesen und Bauwesen gewinnen konnten.“

5. Heben Sie sich durch Ihr Alleinstellungsmerkmal von anderen ab

Zwar sind zwischenzeitlich ähnliche Apps und Programme auf den Markt gekommen, doch HoloBuilders Wettbewerbsvorteil liegt eindeutig in schneller Innovation und Reaktion auf Kundenwünsche sowie dem klaren Ziel, die Daten auch langfristig nutzbar zu machen.

„Wir sind in der Lage, in kurzer Zeit Anpassungen, neue Integrationen und neue Funktionen zu entwickeln und diese zu veröffentlichen. Und dann lassen wir unsere Kunden zu Wort kommen“, so Claus.

In vielen Fällen heißt das, dass das HoloBuilder-Team Betafunktionen wieder verwirft.

„Wir arbeiten an vielen verschiedenen Funktionen und unterziehen sie bei ausgewählten Kunden einem Betatest“, führt Claus weiter aus. „So manche Betafunktion oder auch ganze Betaprodukte verfolgen wir danach nicht weiter und das ist auch in Ordnung so, denn wir holen uns Feedback von unseren Kunden ein, hören uns an, was sie gut finden und was nicht, und passen unsere Software daraufhin entsprechend an. So ist das eben, wenn man Marktführer ist. Manchmal trifft unser Team allerdings den Nagel auf den Kopf. Das Resultat: eine einzigartige, innovative und leistungsfähige Entwicklung.“

So war HoloBuilder zum Beispiel das erste Unternehmen, das seinen Kunden alle Projektdaten nach Fertigstellung eines Projekts in einer einzigen Datei zur Verfügung gestellt hat, und zwar in einem Format, für das keine spezielle Software oder Lizenzen benötigt werden. „Man kann diese mit einer PDF-Datei auf dem eigenen Computer vergleichen“, erklärt Claus. „Das Format hat sich dabei nicht geändert: Die Datei enthält immer noch 360-Grad-Aufnahmen, die man in verschiedene Richtungen drehen kann und die entlang des Gebäudegrundrisses und in chronologischer Reihenfolge angeordnet sind.“

HoloBuilder team
Das HoloBuilder-Team setzt auf persönliches Feedback vonseiten der Kunden, um sein Produkt stetig weiterzuentwickeln. Mit freundlicher Genehmigung von HoloBuilder.

6. Stellen Sie sicher, dass Ihr Team weiß, wer Ihr Kunde ist

Feedback und die Bindung der Kunden an das Produkt sind Claus zufolge der Schlüssel zum Erfolg des Unternehmens. HoloBuilder schickt Woche für Woche Mitarbeiter oder Praktikanten auf Baustellen, wo sie den Bauarbeitern die optimale Verwendung der Software zeigen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Auf diese Weise holt sich HoloBuilder ehrliches Feedback ein und schafft so die Grundlage, um auch in Zukunft weiter wachsen zu können.

Damit alle am selben Strang ziehen, gibt es bei HoloBuilder einmal die Woche einen Call mit dem gesamten Team, in dem das Kundenfeedback weitergegeben wird. Claus erläutert, dass dieser Call den Teammitgliedern vermitteln soll, welch wichtige Arbeit sie leisten und welchen Wert diese für die Praxis hat. Zudem hilft er ihnen, das Produkt durch die Kundenbrille zu sehen – ein entscheidender Faktor für dauerhaften Erfolg.

Über den Autor

Kimberly Holland lebt und arbeitet als Lifestyle-Autorin und Redakteurin in Birmingham/Alabama. Wenn sie nicht gerade ihre Bücher nach Farben ordnet, probiert sie gerne neue Küchenhelfer aus und verwöhnt ihren Freundeskreis mit kulinarischen Experimenten.

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