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Max Bögl: Magnetschwebebahn erobert mit deutscher Technik den asiatischen Raum

TSB Serienfahrzeug der Magnetschwebebahn von Max Bögl

  • Das deutsche Bauunternehmen Max Bögl hat die Magnetschwebetechnologie weiterentwickelt und kommt nun mit einer neuen und effizienteren Transportlösung für den Nahverkehr auf den Markt
  • Das revolutionäre Gesamtsystem für die Magnetschwebebahn von Max Bögl beinhaltet Fahrweg, Fahrzeug und Betriebstechnik
  • Während in Europa noch über Anwendungsideen diskutiert wird und eine Machbarkeitsstudie läuft, wird in China bereits gebaut

In der Historie der Magnetschwebetechnologie ist der Name Max Bögl nicht neu. Das Bauunternehmen, das auch beim Bau der Gigafactory von Tesla beteiligt war, war bereits bei der kommerziellen Transrapid-Strecke in Shanghai als Lieferant für die Fahrwegtechnologie dabei. 2020 entwickelte Max Bögl die Technologie weiter und bietet nun ein Gesamtsystem aus einer Hand an – Fahrweg, Fahrzeug und Betriebstechnik. Es trägt den Namen „TSB“, was für Transport System Bögl steht.

„Wir sind fest davon überzeugt, dass die Magnetschwebebahn den zukünftigen Nahverkehr revolutioniert. Es ist ein emissionsarmes und damit nachhaltiges Transportsystem – mit dem Gesamtpaket ‚Fahrweg, Fahrzeug und Betriebstechnik‘ können wir es nun effizienter und wesentlich wirtschaftlicher anbieten“, sagt Andreas Rau, Produktmanager vom TSB.

Was ist der Unterschied zwischen Magnetschwebebahn und Transrapid?

Neben dem schlüsselfertigen Gesamtangebot von Fahrweg, Fahrwerk und Betriebsleittechnik ist der größte Unterschied zum Transrapid sicherlich, dass Max Bögl sich von dem Hochgeschwindigkeitssystem verabschiedete und nun mit dem neuen System der Magnetschwebebahn auf den Nahverkehr in dicht besiedelten Städten setzt. Damit ist das System etwas langsamer unterwegs, aber somit auch leiser und wirtschaftlicher. Zwar arbeitet das TSB nach wie vor mit einem Linearmotor, nutzt aber einen Kurzstator im Fahrzeug anstelle eines Langstators im Fahrweg. Ein weiterer Unterschied: Das Fahrwerk greift nun von innen in den Fahrweg ein und wird dann durch die Magnete bis auf sieben Millimetern nach oben gezogen. Das macht den Fahrweg sehr schlank, was ideal ist für städtische Räume, wo sowieso wenig Platz ist.

Der Fahrweg der Magnetschwebebahn besteht aus Beton – er ist neben dem Fahrwerk (Bahn) ein Teil des Transport Systems Bögl. Credit: Firmengruppe Max Bögl
 
Vogelperspektive: Die Teststrecke für die Magnetschwebebahn in Sengenthal ist 800 Meter lang (im Foto). Die Demonstrationsstrecke in China erstreckt sich auf 3,5 Kilometern. Credit: Firmengruppe Max Bögl

Diese durchdachte Technologie macht die neue Magnetschwebebahn von Max Bögl zu einem effizienten und kostengünstigen System. „Auch im Vergleich zu konventionellen Verkehrssystemen punktet das TSB“, so Rau. Der fahrerlose, automatisierte Betrieb kombiniert mit den Vorteilen der Magnetschwebetechnologie senkt laufende Kosten um 20 % gegenüber konventionellen Rad-Schiene-Systemen. „Der Fahrttakt kann ‚on demand‘ erfolgen – wodurch wiederum Leerfahrten in Nebenverkehrszeiten und ländlichen Räumen vermieden werden.“ Weil es beim TSB keine Berührung zwischen Fahrweg und Fahrwerk gibt – wie beispielsweise bei der Straßenbahn zwischen Rädern und Schienen – gibt es kaum Verschleiß. Auch das macht das System kostengünstiger.

Um potenzielle Kunden von der neuen Technologie zu überzeugen, setzt Max Bögl auf 3D-Modelle. „In der Projektentwicklungsphase sind Visualisierungen sehr wichtig“, so Rau. Das Bauunternehmen nutzt dafür Autodesk Lösungen wie InfraWorks, Civil 3D, Navisworks und Inventor. „Mit diesen Tools können wir das Transport System Bögl in 3D im jeweiligen Projektgebiet visualisieren. Anhand verschiedener Kamerafahrten mit engen Kurvenradien bis 45 Metern und steilen Steigungen von bis zu zehn Prozent können wir zeigen, wie die Bahn auf einer bestimmten Strecke aussehen wird“, erklärt Rau. Laut Max Bögl wurden die Ingenieure dank der Zusammenarbeit mit Autodesk Consulting befähigt, ihren Arbeitsprozess durch 3D-Visualisierungen anstelle von 2D-Zeichnungen wesentlich effizienter zu gestalten.

Magnetschwebebahn Max Bögl
Die Magnetschwebetechnologie wurde von Max Bögl in der bayerischen Oberpfalz entwickelt und getestet. Das System wurde mit dem Red Dot Award 2020 in der Kategorie „Product Design / Züge und Flugzeuge“ ausgezeichnet. Credit: Firmengruppe Max Bögl

Von Bayern nach China – die Magnetschwebebahn von Max Bögl ist wie geschaffen für die Megastädte in Asien

Jetzt will Max Bögl chinesische Kunden vor Ort vom System überzeugen. Dafür baute das Unternehmen gemeinsam mit dem chinesischen Partner Chengdu Xinzhu Road & Bridge Machinery Co. Ltd. eine 3,5 Kilometer lange Demonstrationsstrecke in der südwestlich gelegenen chinesischen Provinz Sichuan, auf die das TSB eine Geschwindigkeit von bis zu 160 km/h erreichen kann.

Die zwölf Meter langen und tonnenschweren Fahrwegsegmente aus Betonfertigteilen wurden vorab in Serienfertigung am Bögl-Sitz in Sengenthal in der Oberpfalz gefertigt. Auch das Fahrzeug wurde am deutschen Hauptsitz hergestellt. Die Fahrwegsegmente wurden mit Containern per Bahn über die Neue Seidenstraße nach China transportiert. Das Fahrzeug erreichte die chinesische Demonstrationsstrecke über den Luftweg. Nach einer Teilinbetriebnahme im vergangenen Oktober wird in Kürze die Gesamtstrecke in Betrieb genommen werden.

In Deutschland läuft währenddessen eine Machbarkeitsstudie vom Bundesverkehrsministerium zum Einsatz des TSB am Münchner Flughafen. Diese dient als Basis für den möglichen deutschlandweiten Einsatz, denn in Berlin, Schleswig Holstein oder im Großraum München wird über einen Ersteinsatz diskutiert. Ob Deutschland dann doch eine Magnetschwebebahn bekommt, wird sich in den Studienergebnissen zeigen.

Dieser Artikel wurde aktualisiert. Er wurde ursprünglich im September 2020 veröffentlicht.

Über den Autor

Friederike Voigt ist studierte Journalistin sowie Kunsthistorikerin. Während ihres Studiums erhielt sie ein journalistisches Stipendium und arbeitete bereits für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften wie das Cicero Magazin sowie die Deutsche Presse-Agentur. Ihre Studienschwerpunkte Kommunikation und Kultur verwirklichte Friederike als Redakteurin bei Callwey, einer der führenden deutschen Architektur-Verlage. Heute ist Friederike als Brand Content Lead für Autodesk tätig, wo sie den Content Marketing Blog Redshift für die europäischen Länder verantwortet sowie Themen aus Architektur und Design cross-medial umsetzt.

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